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Couchsurfing – wie gut funktioniert es für Frauen?

Du hast das doch sicherlich schon mal vom Mysterium Couchsurfing gehört? “Geh’ doch couchsurfen, da kannst du umsonst bei Leuten an schönen Orten pennen – voll geil!”, sagen viele Blogger und Reiselustige. Dabei hast du dich sicherlich auch schon mal gefragt was dieses Couchsurfing eigentlich ist? Dann bist du hier richtig!

Alsooo, couchsurfing ist schon ‘ne mega coole Sache und funktioniert ein bisschen wie Facebook. Auf der Webseite von Couchsurfing.com musst du dein Profil erstellen und es möglichst detailliert ausfüllen. Je mehr Infos, desto besser und vertrauenswürdiger siehst du natürlich aus. Ausserdem kannst du dich dort natürlich auch mit anderen Couchsurfern connecten und dir Empfehlungen auf deine Wand schreiben lassen. Dabei muss die andere Person ausfüllen wo und wann ihr euch kennengelernt habt, ob du bei der Person gepennt hast oder die Person gehostet hast. Und natürlich muss die andere Person dich im besten Fall möglichst positiv bewerten und sagen wie cool du bist #egoboost. Je mehr Empfehlungen du von anderen Personen hast, umso leichter ist es dann auch eine Couch zu finden. Denn  wer hat schon Lust eine Person bei sich pennen zu lassen, die irre ist oder halt nur negative Bewertungen hat. Du musst dann nur den Wunschstandort angeben und dir passende Hosts raussuchen. So simple is that.

Ganz wichtig, es geht beim Couchsurfen nicht darum, dass man umsonst bei jemanden pennen kann, sondern viel mehr darum, dass man neue Kulturen und andere Mentalitäten kennenlernt. Dass sich die Welt ein Stückchen näher kommt und wir mehr voneinander lernen. So ist zumindest die Idee. Und ich finde diese Idee als kleiner Idealist und Weltverbesserer total schön! Was für viele schwer vorstellbar und irgendwie eigenartig ist, ist gar nicht mal sooo eigenartig. Denkt mal drüber nach. Ob ihr jemanden im Club betrunken kennenlernt und ihr euch am nächsten Tag nicht mal an das Gespräch erinnern könnt oder ob ihr jemanden bewusst kennenlernt. Das ist doch eigentlich viel schöner, oder? Tolle tiefsinnige Gespräche über Politik, Liebe und Musik führen, andere Geschichten und Lebensweisheiten erzählt bekommen und in andere Kulturen eintauchen – das ist was das Leben doch auch eigentlich so aufregend und schön macht, oder?

Das ist zumindest die Idee von Couchsurfing.com und ich glaube als Mann ist es auch zum größten Teil so. Als Frau ist das dann doch nicht immer so einfach. Ich habe auch negative Geschichten mitbekommen. So nach dem Motto “Ich kenne eine, die kennt eine und deren Freundin ist das passiert (…)” Ob sie dann alle so wahr sind oder im Fluss der stillen Post nicht auch mal was dazu interpretiert wurde, weiß ich leider nicht. Ich kann euch aber eine etwas schräge Geschichte aus erster Hand erzählen, die ich während des Couchsurfens in San Francisco, Kalifornien erlebt habe.

Meine Erfahrung beim Couchsurfen

Ich stehe in der Küche und  koch was für mich und meinen Host als Dankeschön dafür, dass ich hier pennen darf. Das ist doch das Mindeste und als Mädchen aus gutem kasachischen Hause auch eine Selbstverständlichkeit. Als er dann nach Hause kam saßen wir am Tisch und haben uns das erste Mal so richtig unterhalten. Was auch super interessant war. Zumindest die erste halbe Stunde. Danach fing er an mir was von einer “strong connection between us” zu erzählen und dass er sich verlieben will. Ich fühl mich vor dem Kopf gestoßen. “Häää? Starke connection? Wir sehen uns zum ersten Mal und quatschen seit 30 Minuten und du erzählst was von verlieben und Seelenverwandtschaft?”

Dabei wurde das Gespräch immer weiter in Richtung Liebe gelenkt und vor allem wie man Liebe macht. Ich bin ja eine nette und tolerante Person und höre ihm einfach weiterhin zu, dabei wird schnell klar, dass er es sehr mag Frauen – wie sag ich das jetzt mal am besten – zu lecken.

Japp, der liebe Ryan wollte mir einfach nur übermässig mitteilen, wie sehr er es liebt “Frauen glücklich zu machen”. Was das Ganze noch ein bisschen schräger macht ist die Tatsache, das ich beim Kochen in einer Schublade dutzende leere Pillenpackungen gefunden habe. Du weisst schon, die orangenen Dinger, die man in den US Filmen sieht, die man nur mit einem Rezept bekommt. Ich google das Medikament und es stellt sich heraus, dass das Medikament gegen Depressionen, Verhaltensstörungen und Schlaflosigkeit sein soll. Trotz anfänglicher Panik, bin ich da geblieben. Ich wollte mir ein objektives Bild von ihm machen und nicht gleich abhauen, weil er irgendwelche Meds nimmt. Gerade in den US gehören solche Medikamente zum Alltag von vielen und einen Shrink (Therapeuten) zu haben gehört fast schon zum guten Ton. Also dachte ich mir: “Who am I to judge?”

Wie dem auch sei, am nächsten Abend, kommt seine Bekannte vorbei, die er zufälligerweise auch durch’s Couchsurfen kennengelernt hat. Sie ist wunderschön – das viel mir als erstes auf. Echt hübsches und cleveres Mädel (studiert Medizin). Ich verabschiede mich von beiden und verlasse die Wohnung, da ich mich mit einem anderen Bekannten in einer Bar verabredet habe, um auch das Nachtleben in San Francisco kennenzulernen. Auf dem Weg dahin fällt mir wie vom Blitz getroffen ein: “Ich habe meinen Ausweis vergessen!” In Amerika kannst du nur in eine Bar, wenn du 21 Jahre bist und du musst es auch belegen. Also bin ich zurück in die Wohnung. Als ich so an der Tür stehe und den Schlüssel raus krame denke ich mir noch so, “Was ist, wenn die beiden doch nicht “nur” Freunde sind? Ach quatsch.” Und ich öffne die Wohnungstür.

So, jetzt musst du wissen, dass der liebe Ryan in einem Studio Apartment wohnt. Sprich, sobald du die Tür aufmachst stehst du mitten im Wohn-/Schlafzimmer/Küche. Ich gehe rein. Und was ich dann sehe, lässt mich heute noch schmunzeln. Eine Sache, die mich zu einem echten kleinen Storyteller gemacht hat.

Das Licht ist gedämmt und leichte Musik wird im Hintergrund gespielt. Vor meinen Augen sehe ich das Bett am Ende des Raums, auf dem Bett liegt das clevere Mädchen – breitbeinig – und der liebe Ryan ist gerade dabei seinem Hobby nachzugehen. Frauen lecken. Ich konnt’s nicht glauben und muss meinen Kopf immer noch schütteln, wenn ich daran denke. Nun gut, ist ja auch eigentlich eine ganz natürliche Sache. Ich stehe da und musste schnell eine Entscheidung treffen: Augen zu und durch (ich brauchte meinen Ausweis, sonst wäre der Abend für mich gelaufen) oder lass ich es sein?

Ich gehe weiter rein. Ich entschuldige mich und schaue nicht einmal hoch. Sie lacht und er hat einfach nur so ein “Oh” von sich gegeben. Ich krame in meinem Backpack rum und raus bin ich wieder mit meinem Reisepass.

Das witzigste kommt noch. Als ich dann Nachts wieder zurück bin, habe ich nur gehofft, dass die beiden fertig waren. War dann auch Gott sei Dank so. Auf meinem Bett lag dann ein Brief von ihm, in dem er sich nochmal für alles entschuldigt. Dann am nächsten Morgen entschuldigte er sich wieder und sagte doch wirklich, dass er hofft nicht meinen Glauben in die Männer zerstört zu haben, weil er ja eigentlich eine Verbindung zwischen mir und ihm gesehen habe, aber da ich ihm ja einen Korb gab, war er doch ein freier Mann.

Ich antwortete nur: “Ryan, mach dir keine Sorgen, du hast mir gerade die beste Reisegeschichte beschafft. Alles easy.” Und so war es auch bis heute noch.

Aber was nimmst du jetzt von dieser relativ schrägen Geschichte mit?

Couchsurfing_Gefährlich

Wie du siehst, ist das große Problem beim Couchsurfing als Frau das Anbaggern von männlichen Hosts. Und manche Frauen, wie das clevere Mädchen in meiner Story, finden das auch toll und lassen sich darauf ein, das ist auch voll okay. Jeder so wie er will! Aber manchen Mädels, so wie mir, war das geflirte und die Anspielungen nicht geheuer. Das mindert natürlich die Experience mit Couchsurfing und wirft oft ein schlechtes Licht auf die Seite und ihren Zweck.

Lass dich davon nicht abschrecken und stell dich auf eine detaillierte Suche ein bevor du den potenziellen Host anschreibst: Hat er oder sie viele Bewertungen, sind die Bewertungen positiv? Hat er/sie viel Infos über sich preisgegeben und Bilder, die vertrauenserregend sind und ihn/sie sympathisch machen? Hat er oder sie sich vielleicht auch noch zusätzlich überprüfen lassen? Dann erscheint ein grünes Häckchen neben dem Namen, was dir als Couchsurfer zeigt, dass die Identität (Wohnung, Bankdaten) noch einmal überprüft worden ist. Und wenn du doch mal hier und da ein paar schräge Vögel triffst, wie ich in meinem Beispiel, ist es nicht wirklich schlimm. Du musst als Frau nur klar ausstrahlen was du willst und was nicht, dann sollte alles kein Problem sein. Du solltest dich definitiv nicht in die Opferrolle begeben und auch nicht naiv sein und vorher schon gut aussieben welche der Hosts für dich in Frage kommen.

Ich habe Ryan auch durch eine gute detaillierte Suche gefunden und er war zwar flirty, aber im Endeffekt ist nichts schlimmes passiert. Ich habe klar gesagt, dass ich geschmeichelt bin, aber absolut kein Interesse an ihm habe. Dann war es auch total okay.

Also als Fazit würde ich sagen, es ist nicht gefährlich und funktioniert auch für Frauen gut, wenn man gewissermaßen vorsichtig und nicht auf dem Kopf gefallen ist. Auch wenn sich meine Geschichte ein wenig merkwürdig anhört, habe ich mich nicht einmal bedroht gefühlt. Und um auch fair zu sein, muss ich sagen, dass ich auf meiner Backpack Tour in Kalifornien durch’s Couchsurfen auch tolle Freundschaften geschlossen habe und mit ihnen bis heute noch im Kontakt bin, auch mit Ryan.

Wie verhalte ich mich beim Couchsurfen, wenn ich mich nicht wohlfühlen sollte?

Nichts desto trotz will ich dir hier auch einen kleinen Tipp mitgeben für den absoluten seltenen Fall der Fälle. Nehmen wir mal an, dass du dich, trotz langer und detaillierter Suche nach dem guten Host, unwohl fühlst als du bei deinem neuen Host ankommst. Dann kannst du einfach gehen. Du kannst zum Beispiel sagen, dass sich spontan herausgestellt hat, dass deine alte Bekannte auch hier ist und dass du die nächsten Tage bei ihr schlafen wirst, weil ihr euch noch so viel zu erzählen habt und dir in Wirklichkeit ein Hostel buchen. Aber ich kenn’ wirklich niemanden, der den Host verlassen wollte, weil sie sich unwohl gefühlt hat. Oder du kannst männliche Hosts komplett vermeiden und nur bei weiblichen Hosts pennen.

Grundsätzlich gesehen solltest du Couchsurfing ausprobieren und für dich selbst entscheiden, ob du es magst oder nicht. Pack’ dich bl0ß nicht in Watte ein, versuch es einfach mal. Manchmal muss man auch auf die Menschheit vertrauen, denn nicht alle Menschen wollen dir was Böses, im Gegenteil. Wenn man viel reist entdeckt man erst so richtig, wie viel Gutes in den Menschen steckt, wie hilfsbereit sie sind und wie freundlich!

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