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Auswandern Kanada

Kanada: Die 5 Schattenseiten über das Auswandern

Schon seit über einem halben Jahr bin ich nun in Kanada und ich finde es ist an der Zeit einen Statusupdate abzuliefern und auch die Schattenseiten über das Auswandern zu nennen.

Kennst du noch die Goodbye Deutschland Serie, die auf Vox lief (oder läuft die noch?)? Mit den Menschen, die immer total gut gläubig bloß weg vom ach so schlechten Deutschland wollen? So ähnlich muss es sich wohl für meine Freunde und Familie angehört haben, als ich gesagt habe, “Ich will nach Kanada!” Dabei ging es mir nie darum, dass es in Deutschland “scheiße” ist. Ganz und gar nicht. Ich mag Deutschland, das soziale Auffangnetz, die Mindestanzahl an Urlaubstagen (in Kanada sind es nur 10 Tage (!!!)), das Bildungssystem. Ich hab es geschätzt. Aber ich hatte schon immer den Traum in einem Englischsprachigen Land zu arbeiten. Den habe ich mir hiermit erfüllt. Auswandern nach Kanada war ein riesiger und wichtiger Schritt für mich und meine persönliche Entwicklung.

Im Leben bereut man immer nur die Dinge, die man nicht gemacht hat

Meine generelle Reiseliebe hat es mir natürlich leichter gemacht Abschied zu nehmen und mir Selbstbewusstsein und vor allem Zuversicht geschenkt. Ich wusste, dass es schon irgendwie alles klappen wird. Die Wohnung aufgeben und den geliebten Job – es wird sich lohnen, dachte ich mir. Denn wie du sicher schon weißt, im Leben bereut man immer nur die Dinge, die man nicht gemacht hat.

Und auch nach fast 7 Monaten Kanada bereue ich es nicht weggegangen zu sein. Nichts desto trotz möchte ich dir nicht nur davon erzählen wie toll und leicht das Auswandern ist – ist es nämlich nicht. Es sieht immer total schön aus, wenn ich hier so von meinen Abenteuern und den Erlebnissen in der Natur Kanadas berichte, aber es gibt auch die Schattenseiten über das Auswandern von denen ich dir heute erzählen will. Nicht damit du deinen Mut verlierst, sondern viel mehr, damit du weißt was auf dich zukommen kann und du bestärkt bist in deiner Entscheidung auszuwandern!

Die Schattenseiten über das Auswandern

1. Die Arbeitswelt wartet hier nicht auf dich

Bevor ich hier große Töne spucke muss ich dir gestehen, dass ich recht schnell einen Job gefunden habe. Aber (!) man muss, wie eigentlich bei jeder Jobsuche, Kompromisse eingehen können. Sprich vielleicht musst du auch einen Job machen, der dir nicht zu 100% gefällt oder nicht unbedingt deinem Lebenslauf entspricht. Du musst flexibel sein, denn die finanziellen Ressourcen werden in Kanada schnell aufgebraucht (das Leben ist teuer hier!). Kleiner Tipp am Rande, bevor du auswanderst stelle sicher, dass du genug Arbeitserfahrung gesammelt hast – denn das ist das A und O hier drüben. Die meisten wollen mindestens 2-3 Jahre Berufserfahrung in dem jeweiligen Job sehen.

2. Sozialen Kontakte knüpfen ist hart

Da bin ich ganz ehrlich. Wenn man als Paar auswandert, hat man sich, was natürlich gut ist, aber man ist fauler, geht weniger raus und lernt wenig neue Leute kennen. Die einzigen Menschen mit denen man regelmäßigen Kontakt haben wird, ist der Partner und die Arbeitskollegen. Wenn man Pech hat, haben die alle schon Familie und sind verheiratet und dementsprechend gibt es weniger Berührungspunkte, weniger gemeinsame Gesprächsthemen und dafür ganz viel awkward Silence im Fahrstuhl.

3. Die Familie wird dir unendlich fehlen

Das betrifft vor allem die Familienmenschen unter uns – von daher auch mich. Gerade jetzt wo Weihnachten immer Näher rückt fehlt mir meine Familie umso mehr. Manchmal ist es wirklich hart, wenn man am Wochenende mit der Family skyped und alle sind zum Kaffee und Kuchen da – nur du nicht. Du siehst die Gesichter, bist aber dennoch zu weit entfernt, um sie zu umarmen. Das ist für mich persönlich das härteste.

4. Man fühlt sich einsam

Das ist eine logische Konsequenzen, die sich aus den eben erwähnten Punkten ergibt – man fühlt sich einsam. Ich bin eigentlich ein offener Mensch und lerne schnell neue Menschen kennen. Als ich neulich im Café saß, habe ich ein total nettes Mädel kennengelernt, Nummern ausgetauscht und auch hin und wieder getroffen. Aber es ist dennoch nicht immer mit einer langjährigen Freundschaft zu vergleichen. Und auch wenn man selten alleine ist, da ständig jemand da ist (ob Partner, Arbeitskollegen oder Bekannte) wird es Momente geben, in denen man sich einsam fühlen wird. Alles ist anders und an manchen Tagen fühlt es sich noch befremdlicher an.

5. Man fühlt sich schuldig

Vor kurzem hatte meine Oma einen Schlaganfall und ich konnte nicht für sie da sein. Ich habe sie im Krankenhaus angerufen und ihre fragenden Worte: “Wann kommst du denn wieder nach Hause?” versetzten mir Stiche in der Brust. Die Familie zurücklassen ist nicht nur hart für dich, sondern natürlich auch für sie! Und auch wenn es meine eigene Entscheidung war nach Kanada auszuwandern, bedeutet es nicht gleich, dass sie mir leicht gefallen ist. Es tut weh und das Schuldgefühl ist ein ständiger Begleiter, gerade jetzt zu Weihnachten.

Ich erzähle das hier nicht, um dich vor der Entscheidung auszuwandern abzuhalten. Viel mehr sage ich das so offen, um dir ein möglichst objektives Bild zu geben. Nur immer davon zu berichten wie schön es ist auszuwandern wäre falsch, denn so aufregend und bereichernd es sein kann, es ist auch mit viel Schmerz und Kompromissen verbunden. Also bitte keine naiven, aber dafür bewusste Entscheidungen treffen 🙂

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10 Comments

  • Reply
    Jacko
    November 24, 2015 at 10:26 pm

    Sehr schöner Artikel, Irene. Ich bekomme ja schon Stiche in der Brust, wenn meine Mutter mich anschaut und sagt “Zwei Monate weg?”. Umso länger, desto trauriger werden dann ja auch die Augen. Aber das ist das Leben, und am Ende wollen wir ja nicht nur Frotheim und Mallorca gesehen haben 😉
    Liebe Grüße und fühl dich gedrückt,
    Jacko

    • Reply
      Eireeen
      November 24, 2015 at 11:34 pm

      Hi Jacko,

      Recht hast du! Das Leben ist dazu da, um die Grenzen zu überschreiten und sich zu finden und alles mitzunehmen was geht 🙂 Bin gespannt was noch so auf uns zu kommt!

      Drück dich fest zurück <3

  • Reply
    Kristina
    August 10, 2016 at 1:23 pm

    Hallo Irene,
    Du hast einen wirklich tollen Blog. Aktuell beschäftige ich mich selbst mit meiner Auswanderung nach Kanada, deswegen verschlinge ich jeden Deiner Kanada Posts. Vielen Dank, dass Du so viel mit uns teilst.
    Ich habe zwei Probleme, mit denen ich mich gerade rumschlage:
    Hast Du vielleicht einen Tipp für mich, welcher Mobilfunkanbieter in Kanada für Auswanderer sinnvoll ist bzw. wo man auch einen Vertrag abschließen kann, wenn man nur ein deutsches Konto hat? Oder empfiehlst Du Prepaid?
    Und weißt Du, ob man als Tourist in Kanada ein Auto kaufen und versichern darf?
    Über einen Tipp würde ich mich sehr freuen und schicke Dir sonnige Grüße aus Deutschland.
    Kristina

    • Reply
      Eireeen
      August 14, 2016 at 1:03 am

      Hi liebe Kristina,

      Freut mich mega, dass ich dir helfen kann mit meinen Artikel und dass du sie magst 🙂

      Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht wie das ist, wenn man kein Kanadisches Konto hat. Ich glaube sogar, dass du so keinen Vertrag abschließen kannst – also du brauchst schon ein Bankkonto hier. Ist auch rel. easy abzuschließen und bei vielen Banken kostet das erste Jahr nichts. Es gibt verschiedene Anbieter, ich bin zum Beispiel bei Koodoo. Die sind die günstigsten. Mhhh, ein Auto kaufen sollte an und für sich kein Thema sein, aber da kenn ich mihc gar nicht aus. Habe mir hier kein Auto geholt, es ist einfach viel zu teuer!! 🙁

      Lass mich wissen, wenn ich dir noch helfen kann 🙂

      LG

      Irene

      • Reply
        Kristina
        August 15, 2016 at 7:57 am

        Liebe Irene,
        wie toll, dass Du Dir Zeit für eine Antwort genommen hast. Danke 🙂
        Ich bin schon ganz aufgeregt…denn bald geht es los. Im Haus schallt es schon total, weil nun fast alles verkauft ist – Ebay Kleinanzeigen sei Dank. Und momentan versuche ich hier noch Sachen zu erleben, zu essen, zu sehen, die ich in Kanada vermissen könnte.
        Du kannst wirklich stolz auf Dich sein, wie Du das alles gemeistert hast. Dafür bewundere ich Dich. Habe meinem Mann sogar noch Deine Posts über Deine Jobkündigung geschickt, bevor er seinen Job gekündigt hat. Als Mutmacher sozusagen.
        Manchmal kriegt man schon Schiss. Aber dann sagen wir uns immer: Wenn nicht jetzt, wann dann. Ausserdem können wir dieses Dummgelabber von Freunden, Bekannten etc. nicht mehr. “Waaaaaasss??” “Das ist ja totaaaaal mutig” oder “Aber ihr habt doch hier alles?!”
        Seit Monaten bereiten wir uns nun akribisch auf Alles vor, und irgendwie sitzen wir jetzt wie auf heißen Kohlen, weil es endlich losgehen soll !
        Ich werde Dich bestimmt nochmal nach einem Insidertipp fragen. Danke schon mal für Koodoo, das erspart uns viel Zeit und Nerven.
        Bis bald und herzliche Grüße sendet Dir
        Kristina.

        • Reply
          Eireeen
          August 23, 2016 at 2:04 am

          Hi Kristina,

          Du bist ja mega süß!!! Das freut und berührt mich sehr, dass einer meine Artikel als ‘Mutmacher’ genutzt wird. Das ist genau warum ich meinen Blog überhaupt angefangen habe!! Danke dafür! Ziel erreicht haha Ich nehme an ihr seid dann auch am komplett auswandern oder macht ihr ‘nur’ eine lange Reise? Wohin geht es zu erst und hast du schon eine Route? Lass mich wissen, wenn ich dir noch irgendwie helfen kann! Du kannst mir auch direkt eine Nachricht schicken Irene@theblackhoodieblog.com.

          Liebe Grüße

          Irene

  • Reply
    Kerstin
    August 22, 2017 at 8:09 am

    Hallo Irene,

    ich hoffe die Posts erreichen dich noch, der letzte ist ja doch schon ein wenig her…
    Im September geht es bei mir los nach Kanada. (Ich warte momentan noch a uf das Visum)

    Ich werde dann 2 Jahre in Edmonton leben und dort in der gleichen Firma arbeiten, in der ich zurzeit auch in Deutschland arbeite.
    Auch habe ich schon eine WG gefunden mit -wie ich beisher leider nur aus Mails schließen konnte- eine sehr nette WG-Kollegin (Kanadierin) gefunden.
    Das erleichtert mir den Start denke ich ungemein.

    Allerdings ist der Abschied zu meiner Familie etwas, das mir wirklich Angst macht.
    Ich bin 26 Jahre alt und wohne bereits seit 5 Jahren nicht mehr zu Hause, habe aber eine sehr enge Bindung zu meinen Eltern und meinen Geschwister.

    Nun meine eigenltliche Frage- wie hast du deine Emotionen beim Skypen zurückhalten können?
    Oder hast du deinen Tränen einfach freien Lauf gelassen??
    Meine Mum ist doch sehr emotional und kommt mit der ganzen Auslandsgeschichte noch nicht wirklich zurecht.
    Wenn ich mir nun vorstelle, an einem ‘BadDay’ mit ihr zu skypen, macht mir das ganze doch ein wenig Sorgen…
    Hattest du ähnliche Schwierigkeiten?

    Liebe Grüße,
    Kerstin

    • Reply
      Irene
      August 23, 2017 at 3:51 am

      Hi Kerstin,

      Das klingt mega spanned! Ich freue mich für dich und drücke dir die Daumen für alles! Es ist immer unterschiedlich. Manchmal geht es mir nicht gut, wenn ich mit den Eltern spreche und an manchen Tagen macht es mir nichts aus. Aber wenn ich mich nicht gut fühle unterdrücke ich es, meine Mama macht es auch so 🙂 Wir lachen dann immer und sagen uns einfach dass wir uns lieb haben und vermissen und jetzt auflegen müssen bevor wir anfangen zu weinen. Klingt total dramatisch, aber es ist doch auch was sehr schönes so stark zu empfinden und seine Liebe zu der Familie so neu zu entdecken. Manch anderer wird nie realisieren wie wichtig die Familie eigentlich ist, bis die Distanz einem was anderes lehrt.

      LG
      Irene

  • Reply
    Carolina Sanchez
    November 20, 2017 at 9:11 pm

    Das ist “Stoff” für ein Buch …

    Herzliche Grüße aus Hamburg
    Carolina Sánchez
    Windsor Verlag
    carolina.sanchez@windsor-verlag.com
    https://windsor-verlag.com

    Montag, 20. November 2017 22:11.
    Wir sind gerne für Sie da, auch nach Feierabend und am Wochenende. Windsor Group ist eine internationale Verlagsgruppe und der Windsor Verlag ist Deutschlands modernster Buchverlag.

    • Reply
      Irene
      November 24, 2017 at 2:35 am

      Hi Carolina,

      Vielleicht eines Tages 🙂 Aber das Leben schreibt ja immer so seine Geschichten! Das macht es ja auch so spannend!

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