The Black Hoodie Blog
Auswandern

Dummy Tipps für die Jobsuche in Kanada

Na klar, der ultimative Tipp wäre du kennst einfach schon jemanden, der in der kanadischen Arbeitswelt unterwegs ist und kannst ihn nach einer Recommendation (Recommen-hä? Na, Empfehlung) fragen. Aber wo wäre da die Herausforderung? Scheiß auf Vitamin C  oder B oder wie sich das schimpft. Das kriegst du auch ohne hin und ich gebe dir hiermit ein paar Dummy Tipps für die Jobsuche in Kanada mit auf den Weg. Warum Kanada? Weil ich hier seit nun mehr als 7 Monaten lebe und arbeite und selbst nur mit einem Koffer und eine gute Ladung Optimismus hergekommen bin. Und wie du siehst ist am Ende alles gut gegangen 🙂 Heute habe ich sogar zwei Jobs, einen als Full-Time Account Manager bei einer digitalen Agentur und noch einen Part-Time Job als Event-Supervisor für die Wochenenden.

Deine Einstellung

Das A und O ist die Einstellung bei der Jobsuche. Du musst smart und diszipliniert sein. Einer hat mir erzählt, dass er bis zu 20 Bewerbungen pro Tag losgeschickt hat (!!!). Find ich persönlich zu krass und mein Tipp ist Qualität geht über Quantität. Schick 3-4 Bewerbungen am Tag ab, atme durch und trink einen Tee. Mach dich auf jeden Fall nicht zu verrückt, es reicht, wenn ich das immer mache (bin bei so was immer sehr theatralisch: “Ich krieg’ den Job eh nicht!”).

Dann ist noch ganz wichtig, dass du dir deiner Qualifikationen bewusst bist. Fragen wie: “Was kann ich?”, “Welche Stelle passt zu mir?” müssen für dich einfach zu beantworten zu sein. Nur so findest du auch die passenden Stellen und somit schneller zum Job. Und vor allem schraub deine Erwartungen nicht zu hoch, aber verkauf dich auch nicht unter deinem Wert.

Terminologie

Es ist wichtig, dass du dich vorher erkundigst wie deine Job Beschreibung und dein Job Titel auf Englisch überhaupt heißen, sonst machst du den selben Fehler wie ich und realisierst erst nach einer geraumen Zeit, dass du dich auch hättest für einen anderen Job bewerben können.

Also hier die Aufklärung. Ich kann jetzt nur für das Berufsfeld Projektmanagement sprechen, aber da gibt es verschiedene Definitionen/Abstufungen und dementsprechende Job descriptions:

Project Manager = Das ist jemand, der nicht unbedingt direkten Kundenkontakt hat und jemand, der sich um ein Projekt kümmert (wie der Name halt schon sagt). Sich um ein Projekt kümmern heißt vom Anfang bis zum Abschluss planen, Work-Back Schedules erstellen, Budgets und Time-Lines planen und bewachen, etc. (meist 1 – 3 Jahre Arbeitserfahrung).

Account Manager* = Das ist jemand, der direkt mit Kunden zu tun hat und ausgezeichnete Projekt Management Skills besitzt (meist 3-7 Jahre Arbeitserfahrung).

Account Coordinator = Das ist jemand, der unter dem Account Manager steht und ihn unterstützt. Die Person arbeitet zwar für einen Kunden A, aber hat nicht unbedingt direkten Kundenkontakt. (meist 1-3 Jahre Arbeitserfahrung)

Account Director/ Supervisor = Das ist dann der Obermacker, der steht über dem Account Manager und unter dem Director (meist 5-8 Jahre Arbeitserfahrung).

*Hier mein Geständnis: Ich dachte immer Account heißt Konto und das wiederum heißt ich würde dann in der Buchhaltung arbeiten (laaaangweilig)?? Dabei heißt Account in Kanada im Projektmanagement Bereich, dass man für Kunden verantwortlich ist und direkten Kundenkontakt hat.

Worauf achten kanadische Arbeitgeber

Das allerwichtigste sind die Arbeitserfahrungen (warum bin ich überhaupt studieren gegangen?). Kanada ist sehr praktisch orientiert und Arbeitgeber wollen qualifizierte Leute, die wissen was sie tun und die am besten schon jahrelang den einen Job ausgeübt haben. Wenn du frisch aus dem Studium sein solltest, wirst du wahrscheinlich nicht so schnell einen guten Job bekommen, der dir auch gefällt. Ich würde sagen unter 50 Job Openings, suchen  vielleicht 5 Entry Level Bewerber, der Rest fragt immer nach mindestens 2/3 Jahren Arbeitserfahrungen.

*Kleiner Tipp am Rande, falls du frisch aus deinem Studium kommst, aber ein Pflichtpraktikum gemacht hast oder ähnliches, würde ich das als Arbeitserfahrung verbuchen und unter die Work Experience packen. Macht sich gleich besser 😉

Der Lebenslauf

Kommen wir nun zum wichtigsten Teil der Arbeitssuche: Dem Lebenslauf. Generell nennenswert ist, dass das Bewerbungsfoto keine Pflicht ist und das Geburtsdatum und der Familienstand nicht angegeben werden. In Kanada legt man viel Wert auf  Toleranz. Man will niemanden aufgrund des Alters, des Aussehens oder Geschlechts diskriminieren. Deshalb gibt es hier Lebensläufe halt ohne diese unnützen Angaben. Der Lebenslauf ist in Kanada bzw. in Nordamerika anders aufgebaut als in Deutschland.

Ich hab hier mal 3 Beispiel-Lebensläufe rausgesucht. Das Design hängt natürlich vom Berufsfeld ab. Sprich, wenn du dich für eine Bank bewirbst solltest du vielleicht nicht zu “over-dressed” mit deiner Bewerbung rüberkommen. Anders ist es, wenn du dich bei einer Kreativ-Agentur bewirbst. Dann kannst du deine Bewerbung natürlich etwas einmaliger gestalten. Ich persönlich finde auch, dass egal für welche Stelle du dich bewirbst, ein gutes ansprechendes Design wichtig ist und sogar entscheidend sein kann. Deshalb würde ich dir raten bei creativemarket.com vorbeizuschauen und nach Resumés zu suchen, um dich entweder inspirieren zu lassen oder dort toll designte Lebensläufe zu kaufen. Ich hab dir alle drei Beispiel-Lebensläufe verlinkt, so dass du genau weißt wo du dir die Entwürfe finden kannst:

Der Klassische

Klassischer Lebenslauf für Kanada

Der Kreativere

Kreativere Lebenslauf für Kanada

Der Ausgefallene

Ausgefallene Lebenslauf Kanada Ausgefallen Lebenslauf für Kanada

Was alle drei Lebensläufe gemeinsam haben ist die Profile Summary und der Job Titel. Ganz oben eines Lebenslaufes sollte immer der Job Titel stehen auf den du dich bewirbst. Darunter sollte dann eine kurze Profile Summary folgen. In der Profile Summary hebst du noch einmal deine Stärken und guten Charaktereigenschaften hervor. Bleib dabei kurz und pregnant und erwähne Eigenschaften wie results-oriented, efficient oder team-oriented. Was auch immer dich ausmacht, heb’ es in der Profile Summary hervor.

Die Summary ist dann gefolgt von den Arbeitserfahrungen, die nach Aktualität sortiert sind. Unter die Arbeitserfahrungen kommen dann deine genauen Aufgaben. In der Kürze liegt die Würze also fass die Aufgaben pregnant zusammen. Je nach Stellenanzeige und Anforderung solltest du deine Aufgaben auch individuell anpassen und somit deine Bewerbung auf die Stelle zuschneiden. Falls du eine leitende Position hattest sollte die Budgetverantwortlichkeit in CAN$ auch erwähnt werden. Das schafft je nach Budget auch gleich Eindruck.

Danach kommt der schulische Werdegang, Auszeichnungen, Ehrenamtlicher Einsatz, deine Computer/ Software Fertigkeiten und zu letzt deine persönlichen Interessen.

Strich

Mein Tipp: Die Kanadier schätzen es, wenn du ungefähr 1-2 Wochen nach Eingang deiner Bewerbung noch einmal anrufst und fragst, ob sie die Bewerbung bekommen haben (auch wenn das eigentlich klar ist). Das zeigst Interesse deinerseits. Hier findest du zu dem noch andere Tipps für die Jobsuche in Kanada. 

Strich

Das Anschreiben

Die goldene Mitte ist wichtig! Komm nicht zu arrogant, aber selbstsicher rüber. Ich unterteile meine Anschreiben immer in 5 Abschnitte. Der erste Teil sollte ein kurzer Einleitungssatz sein, der sagt wo du die Stelle gefunden hast. Der nächste Abschnitt sollte zusammenfassen warum du gerade für diese Firma arbeiten willst. Recherchiere gründlich über die Firma und versuche dabei nicht ‘typisch’ zu klingen. Zum Beispiel kannst du sagen, dass du gelesen hast, dass die Firma vor kurzem expandiert ist oder einen neuen Kunden an Land gezogen hat, und du gerade so eine Firma suchst, bei der du dein volles Potenzial entfalten und die Firma in ihrem Wachstum unterstützen kannst.

Danach kommt der Teil, der dich persönlich hervorhebt. Was hast du in deinem letzten Job geleistet, der diesem neuen Job vom Vorteil sein kann? Hier solltest du die wichtigsten Aufgaben exemplarisch nennen wie zum Beispiel, dass du Hauptansprechpartner für Kunden warst . Beschreibe die positive Eigenschaft, die dafür notwendig war (“I am a client-oriented thinker”) und gib dazu ein Beispiel (“Due to the strong relationship I built with my client XYZ I was able to land two consecutive jobs for my company, which enabled a revenue of $80,000”).

Im vierten Abschnitt kannst du dann nochmal deine positiven Eigenschaften nennen, diese sollten an die Stellenanforderungen angepasst werden. Wenn der Arbeitgeber “stress-resistant” als Voraussetzung nennt solltest du das in diesem Abschnitt natürlicherweise sagen, dass du in extremen Situationen, einen kühlen Kopf bewahrst. In diesem Abschnitt würde ich vor allem deine größte Stärke hervorheben. Bist du bekannt dafür unter Stress am besten zu funktionieren? Bist du sehr Team orientiert? Oder hast du ein Talent für detaillierte Projektpläne und Budgets? Was auch immer es ist, heb’ es mit gesundem Selbstbewusstsein hervor.

Ich lege viel Wert auf Individualität, also hab ich mich versucht so weit es geht von den typischen Floskeln zu entfernen. Hier ist mein Abschlusssatz, den ich für meine Bewerbungen genommen habe: “However, since my motto is “show it, don’t tell it”, I would love to meet up and picture my experiences personally. I would be most grateful if you would consider my application.”

Hier findest du nochmal super Beispiel Anschreiben, die dich inspirieren und dir als Guideline dienen können.

Wo suche ich nach Jobs in Kanada?

Anzeigen in der Zeitung war gestern! Das meiste in Kanada läuft über LinkedIn. Deshalb mein absoluter Tipp für dich, aktualisiere und füttere dein LinkedIn Profil mit so viel nützlichen und relevanten Informationen über dich wie möglich. Und bitte, bitte, bitte benutze ein vernünftiges Profilbild. Ich hab so viele Selfie Bilder im Bad sehen entdecken können bei denen ich nur dachte: Warum? Und wenn ich schon so entsetzt bin, dann kannst du dir ja sicherlich denken wie entsetzt der Typ von der Personalabteilung sein muss, der sich so etwas reinziehen muss.

Dann würde ich dir auch empfehlen dich bei sogenannten Recruiting Agencies anzumelden. In Kanada gibt es keine Vermittlungsgebühr für dich als Jobsuchender. Also ran da, es ist umsonst! Ich kann dir anithing is possible empfehlen. Die Website sieht eher schwach aus, aber dafür sind die Leute sehr engagiert. Vor allem finden die Ladies gute Job Openings für dich. So hat mein Freund seinen Job bekommen und er ist sehr zufrieden mit seiner Firma.

Dummy Tipps für die Jobsuche in Kanada

Alles in allem ist Individualität (du musst dich abheben können) wichtig, Fleiß, Beständigkeit und Geduld. Gib nicht sofort auf, wenn das mit dem Traumjob nicht gleich klappt. Und believe me Geduld ist ganz wichtig bei der Jobsuche. Und wenn du nicht gleich deinen Traumjob findest, kannst du einen anderen Job zur Überbrückung nehmen.

Ich hab von einigen gehört, dass sie bis zu 6 Monate gesucht haben, um den passenden Job zu finden, aber in der Zwischenzeit halt einen alternativen Job hatten, um die Rechnungen bezahlen zu können. Du müsstest dich echt dämlich anstellen, wenn du gar keinen Job in Kanada finden solltest. Damit will ich nur sagen, dass für diejenigen, die flexibel und clever sind, die Arbeitslage in Kanada gut sein kann.

Wenn du noch Fragen hast im Bezug auf Jobsuche in Kanada oder zum Thema Auswanderung nach Kanada, dann schreib mir doch in die Kommentarbox oder schreib mir direkt an meine Email 🙂

You Might Also Like...

5 Comments

  • Reply
    Sylvia @ The Voyage Years
    March 30, 2016 at 4:41 pm

    Hi Irene,
    der Artikel ist wirklich super und sehr ausführlich geschrieben. Ich habe ihn deshalb in einem meiner Artikel zu dem Thema Jobsuche Kanada verlinkt. Hier ist der Link falls du mal reinschauen möchtest: http://www.thevoyageyears.de/langzeitreisen/work-travel/work-travel-teil-5-wie-du-einen-job-findest
    Sende dir ganz liebe Grüße nach Toronto
    Sylvia

    • Reply
      Eireeen
      March 31, 2016 at 1:54 am

      Hi Sylvia,

      Du bist ja lieb!! Hab vielen lieben Dank 🙂 Ich mache auch bald eine zweiten Beitrag, da geht es dann um Interviews – quasi die nächste Stufe sobald die Bewerbung quasi erfolgreich war!

      Tollen Blog hast du da übrigens <3

      Irene

      • Reply
        Sylvia @ The Voyage Years
        March 31, 2016 at 9:34 am

        Hi Irene, gerne geschehen 🙂
        Liiiieben Dank für deine netten Worte zu meinem Blog! Das freut mich total! Bis bald und liebe Grüße, Sylvia

  • Reply
    Sandra
    January 19, 2017 at 6:57 am

    Hi Irene,
    erstmal vielen lieben Dank für Deinen Blog !! Mein Herz schlägt wieder höher!!
    Ich habe im Jahr 2010 eine Weltreise gemacht, mein erstes Ziel war damals Canada und einfach mein absolutes Lieblingsland. Leider hatte ich damals schon ein Work and Travel Visa und nun stellt sich mit die Frage, ob ich ein anderes Visum erhalte um länger in Canada bleiben und auch arbeiten zu können. Weißt du da vielleicht was? Ich kann das Land leider nicht aus meinen Gedanken streichen und schon gar nicht aus meinem Herzen. Werde im April erstmal wieder meine Gastfamilie besuchen gehen.

    • Reply
      Irene
      January 21, 2017 at 9:35 pm

      Hi Sandra,

      Super, dass dir mein Blog gefällt! Danke dafür 🙂

      Ich bin selbst nun fast 2 Jahre in Kanada und habe das erste Jahr auch ein Work and Holiday Visum bekommen. Für das nächste Jahr habe ich mir das so genannte Young Professionals Visum geholt. Das ist an deinen Arbeitgeber gebunden und du kannst dann auch nicht wechseln und musst das ganze Jahr für den einen Arbeitgeber arbeiten und halt auch in dem einen Ort wohnen. Das Young Professionals Visum war relativ leicht zu bekommen, da ich schon einen Job hatte. Das gilt dann auch für ein weiteres Jahr. Danach kannst du dich für die Permanent Residency bewerben. Das peil ich jetzt erstmal an.

      Liebe Grüße

      Irene

    Leave a Reply