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Auswandern

Kanada – Die 2 wichtigsten Grund­vo­r­aus­set­zungen für eine erfolgreiche Auswanderung

Liebe ist alles was du für die Auswanderung brauchst!

Wie bitte?

Just kidding!

Natürlich brauchst du leider ein bisschen mehr als das.

Wenn man in einem neuen Land ankommt mit nichts außer Koffern und Ersparnissen, dann ist das wichtigste zunächst ein Dach über den Kopf zu finden und eine geregelte Einkommensquelle zu sichern.

Das ist mit unheimlichem Leistungsdruck verbunden. Natürlich will man nicht versagen und seine Liebenden enttäuschen oder den „Freunden“, die eh nicht an einen geglaubt haben, einen Grund zum lästern geben.
In meinem vorherigen Artikel habe ich über die emotionalen Herausforderungen einer Auswanderung gesprochen. Heute erzähle ich dir ein wenig über meine Erfahrungen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, die beide wichtige Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Auswanderung sind.

Wohnungsfindung

Als wir ankamen hatten wir keine Ahnung was den Wohnungsmarkt angeht und haben uns zunächst durch Airbnb durchgeschlagen. Aber bevor wir uns überhaupt niedergelassen haben, sind wir im ersten Monat rumgereist.

Wir haben uns Toronto angeschaut, Ottawa und Montreal. Danach erst ging es an die Wohnungssuche.

Ein Alptraum, der jedes Jahr exponentiell schlimmer in Toronto wird. Es ist ein Verkäufermarkt und die Mietpreise werden jedes Jahr lächerlicher. In dem letzten halben Jahr hat sich die Miete um $300 im Durchschnitt erhöht. Das ist der Wahnsinn.

Gerade am Anfang ist es schwer eine Wohnung zu bekommen. Du musst normalerweise einen Credit Score vorzeigen können, den es aber nur in Nordamerika gibt. In Deutschland halten wir nicht viel von der Kreditkartenkultur, was auch super ist! Wir sind keine Schuldengesellschaft – anders als in Nordamerika wo Menschen ca. 5 verschiedene Kreditkarten mit sich tragen, nur damit sie sich gegenseitig ausgleichen.

Da du also keinen Credit Score vorzeigen kannst, musst du dich nackig machen und deine Kontoauszüge und Ersparnisse vorzeigen. So lange du beweisen kannst, dass du mindesten 3 Monate Miete bezahlen kannst, müsste alles gut gehen.

Bei den ansteigenden Mietpreisen in Toronto heißt das, dass du ca. $6,000 mindestens auf deinem Konto haben solltest. Man zahlt hier nämlich für eine zwei Zimmer Wohnung um die $2,000 und ansteigend.

Auch musst du wissen, dass die Vermieter die erste und letzte Wohnungsmiete vorgelegt haben wollen. Du kriegst die letzte Wohnungsmiete wieder, wenn du ausziehst, in dem du dann den letzten Monat nach deiner Mietkündigung umsonst in der Wohnung bleiben darfst.

Es gibt aber die seltenen Juwelen auf dem Mietmarkt, die nach gar nichts fragen. Sprich dein zukünftiger Vermieter vertraut dir einfach. So war es glücklicherweise bei unserer ersten Wohnung. Da haben wir mitten in Downtown im 35. Stock eines Condos (hohes Gebäude aus modernen Wohnungen mit bestimmten Vorzügen wie Pool, Fitness Studio und Whirlpool) gewohnt. Die Wohnung hatte eine super Aussicht auf die City und lag direkt neben dem CN Tower (Torontos Wahrzeichen). Das Ganze hat dann damals $1.400 gekostet.

Klingt eigentlich günstig?

Dazu muss ich sagen, dass wir in einem Studio Apartment gewohnt haben. Sprich wir hatten einen Raum für alles: Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche. Nur das Badezimmer war getrennt. Man hat also null Privatsphäre als Pärchen was manchmal mega nervt.

Da wir leidenschaftlicher Umzieher sind (NOT) und uns den Stress gerne antun, geht es jetzt aber wieder los und wir stecken mitten in den Umzugsvorbereitungen. Zum 1. April geht es in eine größere Wohnung im beliebten Queen West Viertel. Ich bin auf der einen Seite super aufgeregt und freue mich auch, aber auf der anderen Seite, machen mir die Mietpreise Bauchschmerzen. Wir zahlen zur Zeit schlappe $1.300 (etwas was die absolute Ausnahme in Toronto ist!) und werden demnächst satte $1.975 zahlen!

Der Unterschied?

Keine Bettwanzen im Haus (Gott sei Dank nicht in unserer Wohnung, aber trotzdem kacke), kein Toter in der Wohnung (long story!), keine crazy people und Drogenabhängige, zwei Zimmer und zwei Badezimmer statt einem. Der günstige Mietpreis hat also seinen Schattenseiten.

Für die neue Wohnung mussten wir unseren Credit Score zeigen – inzwischen haben wir beide eine Kreditkarte und glänzen mit hohen Punkten, weil wir immer pünktlich bezahlen. Dazu mussten wir einen Job letter vorzeigen, der bestätigt, dass wir arbeiten und die Kontaktdaten unserer letzten Vermieter hergeben. Der Typ hat dann bei unseren derzeitigen und beim letzten Vermieter angerufen, um zu sehen ob wir cool sind und auch vorbildlich unsere Miete zahlen. Manche Vermieter nehmen diesen Screening Prozess hier sehr genau.

Dann wollte er die erste und letzte Miete haben und die Kaution für die Schlüssel. Das sind dann alles in allem $4.150. Total crazy, wenn man sich das mal reinzieht. So viel Kohle auf einmal!

Aber gut, jetzt heißt es wieder einmal packen, ausmisten und los geht’s. Zum Glück leben wir beide sehr einfach und besitzen nur das Nötigste. So ist das umziehen doch etwas einfacher gemacht ist.

Arbeitserfolg

Ja, das große Thema vor dem sich alle fürchten. Die Arbeitssuche.

Davor hat ja jeder bekannterweise angst – ich auch. Deswegen ist auch hierfür ein gutes finanzielles Polster wichtig, damit man nicht noch mehr unter Druck steht unter dem man ja sowieso aufgrund der Gesamtsituation steht. Es ist auch wichtig finanziell vorbereitet zu sein, damit man nicht „irgendeinen“ Job annimmt, nur damit man über die Runden kommt.

Ich habe in Toronto drei Jobangebote landen können. Zunächst war ich Junior Account Manager für eine Digitale Agentur. Ich hab aber schon am Anfang gemerkt, dass das nichts für mich ist. Deshalb habe ich nebenbei nach einem Job in der Eventbranche gesucht und gefunden. Ich wurde als Event Supervisor eingestellt. Den Job habe ich aber nicht lange gemacht, da mir diese Doppelbelastung zu anstrengend war (unter der Woche als Account Manager und am Wochenende als Event Supervisor gearbeitet).

Am Ende habe ich beide Jobs gelassen und gekündigt und auch wenn ich in der Digitalen Agentur super viel gelernt habe, war die ganze Company Culture null mein Ding.

Company Culture ist wichtig! Immerhin verbringst du so viel Zeit in deinem Leben am Arbeitsplatz, also muss du dich auch wohl fühlen.

Dann habe ich meinen Traumjob landen können bei einer Werbeagentur in Downtown Toronto. Ich wurde zunächst als Senior Account Coordinator eingestellt und nach 8 Monaten zum Account Executive befördert.

Ich habe also so einiges auf dem Kanadischen Arbeitsmarkt erleben können. Ich hatte die merkwürdigsten Interviews. Einmal wurde ich gefragt, wenn ich ein Verkehrsschild wäre, was für eins würde ich sein – super lame.

Auch war nicht immer alles rosig. Bei meinem ersten Job, der wie gesagt nicht mein Ding war, habe ich unter so viel Stress gelitten, dass ich einmal an einem Tag 3 Mal auf Toilette musste, um zu brechen. Zu Hause habe ich geheult und am Ende habe ich fast jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit mit den Tränen gerungen. Klingt drastisch?

Ich hab mich aber auch selbst unter Druck gesetzt, ich wollte einen tollen Job landen, bei dem ich happy bin und auf den ich stolz sein kann. Deswegen kam ich auch nach Kanada, um meinen Horizont zu erweitern, um was zu erleben und natürlich auch um internationale Arbeitserfahrung zu sammeln.

Und was hatte ich zu dem Zeitpunkt? Einen Job in einem Cubical. Kennst du die? Das ist quasi ein Schreibtisch mit Wänden um dich herum. Richtig langweilig und corporate. So habe ich mir meine Zukunft nicht vorgestellt.

Am Ende konnte ich aber dennoch Erfolge erzielen und arbeite bis heute glücklich in der vorhin genannten Werbeagentur.

Tipps?

Lese: Dummy Tipps für die Jobsuche in Kanada

Qualität über Quantität. Schreibe maximal 3 Bewerbungen am Tag. Individualisiere sie. Erkundige dich gut über die Firma, bei der du dich bewirbst. Keiner hat Bock auf die standard Bewerbungsanschreiben und Lebensläufe, die total generisch auf jeden möglichen Job passen würden. Lieber pass sie maßgeschneidert auf den einen Job und die eine Firma an. Das dauert, aber lohnt sich.

Kreativität verkauft sich am besten. Gestalte deine Bewerbung ein wenig „anders“. Ich hab zum Beispiel mein ganzes Anschreiben kreativ gestaltet und per Mailchimp.com verschickt. Dazu habe ich meinen Lebenslauf via Download Button zur Verfügung gestellt. So konnte ich durch die Mailchimp Report Funktion auch sehen, wie oft meine Bewerbung geöffnet worden ist und sicher stellen, dass sie gut angekommen ist.

Update dein LinkedIn Profil und füttere es mit all den Details, die auf die Stellenbeschreibung passen, auf die du scharf bist. LinkedIn spielt in Kanada eine große Rolle und ist die perfekte Plattform zur Arbeitssuche. Ich wurde über LinkedIn schon mehrfach von Personalagenturen wegen Jobangeboten angeschrieben. Also los – starte dein LinkedIn Profil!

Vor allem aber sei selbstbewusst und hab vertrauen in dich. Wenn du dann zum Interview eingeladen wirst, kommt alles andere ganz von alleine.

Fazit?

Sobald die Wohnung und der Job dann gesichert sind, hast du schon die größten Hürden gemeistert. Du kannst dich dann um dich und dein soziales Umfeld kümmern. Du wirst Freunde machen, dich einleben und deine eigene Routine entwickeln. Und irgendwann fühlst du dich dann in der Ferne ganz zu Hause.

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3 Comments

  • Reply
    Simsfan89
    March 27, 2017 at 3:44 pm

    Die Anfänge in Kanada klingen wirklich nach Stress und vielen Herausforderungen. Aber ich denke wenn man es dann mal geschafft hat stellt sich ein Gefühl der Erhabenheit heit.

    • Reply
      Irene
      March 29, 2017 at 4:18 am

      Ja, das stimmt. Aber es lohnt sich, wenn man durchhält 🙂

  • Reply
    Simsfan89
    April 3, 2017 at 3:16 pm

    Durchhalten ist alles. Aufgeben gilt bei mir nicht wenn ich mir was vorgenommen habe.

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