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Auswandern

Wenn der Partner nicht auswandern will – Was tun?

Wenn du ein ehrgeiziges Ziel hast das Leben anders zu leben als all die anderen es leben, dann kann das schon sehr überwältigend sein.

Große Träume verlangen oft große Opferbereitschaft. Dinge zurück zulassen, den Mut zu haben nach vorne zu schauen, obwohl man da vorne eigentlich nichts sieht. Denn große Ziele, bedeuten oft Ungewissheit. Nicht sicher sein, ob es gut gehen wird, ist ein großer Bestandteil deines Lebens, wenn du mehr vom Leben willst.

Sicherheit findest du in deiner Komfortzone, Abenteuer findest du darüber hinaus.

Dann ist es schon schön, wenn man einen Partner hat, der einem beisteht. In meinem Fall war die Auswanderung eine große Herausforderung, die ich unbedingt meistern wollte. Mein Partner aber wollte damals nicht direkt auswandern.

Ganz im Gegenteil – er war ein Homebody through and through. Liebte Berlin, seine Wohnung, seine berufliche Karriere und Freunde. Alles war gut so wie es war.

Wenn der Partner nicht auswandern will – was tun?

Damals wollte er einfach nicht weg – verständlicherweise. Er hatte alles was ihn eigentlich happy gemacht hat. Zumindest hat er das gedacht.

Als ich um die Ecke kam, war ich gerade mit meinem Studium fertig, bin 3 Monate durch Südostasien und Neuseeland gereist. Ich kam zurück und war immer noch nicht fertig mit der Welt.

Mich hat noch nichts richtig festgehalten. Ich hatte meine Karriere noch nicht richtig angefangen. Hatte keine großen Besitztümer von denen ich sonst hätte loslassen müssen und auch ansonsten war ich recht frei von allem.

Ich wollte was Neues – die nächste Herausforderung. Kanada schien da das logische nächste Kapitel in meinem Buch des Lebens. Vor allem, weil ich einen alten Studienkollegen und Freund kannte, der schon drüben war.

Er hat mir Kanada mit seiner leichten Art richtig schmackhaft gemacht.

Es ist ein sicheres Land, in dem Englisch gesprochen wird und die Voraussetzungen für das Visum waren recht unkompliziert und hey, wer findet Kanada nicht toll, oder?

Es war November 2014 als ich ihm dann gesagt habe, dass ich mich Anfang des nächsten Jahres für das Visum bewerben will und ich mich mega freuen würde, wenn er mitkommen würde. Damals war es nämlich so, dass man sich für das Work and Holiday Visum nur einmal im Jahr  bewerben konnte und nur für eine bestimmte Phase. Es galt wer zu erst kam, malt zu erst.

Vielleicht war das damals nicht die schlaueste Art so eine Ankündigung anzugehen. Man sollte ja schließlich gemeinsam an einer Sache planen und nicht dem anderen sagen, was Sache ist?

Verständlicherweise hat er sehr uninteressiert reagiert. Heute gibt er zu, dass er dachte, dass ich eine verrückte Flause im Kopf habe, die eh wieder weggehen wird.

Diese Gegensätzliche Begeisterung bzw. die nicht vorhandene Begeisterung seinerseits, war hart für mich. Klar, tief in mir wollte ich doch, dass er mitkommt.

Nichts desto trotz, ich wusste auch von Anfang an, dass ich es alleine durchziehen kann, wenn es sein muss.

Hey, and if worst comes to worst, dann hätten wir ja auch eine Fernbeziehung für ein Jahr meistern können. Davon war ich fest überzeugt. Ich glaubte und glaube immer noch an unsere Beziehung – sie kann alles meistern.

Je näher die Bewerbungsfrist angerückt kam, umso mehr habe ich von Kanada erzählt und ganz allgemein von Kanada gesprochen. Er hat sich dann immer mehr für das Thema interessiert. Aber nie richtig zu- oder abgesagt.

Irgendwann brauchte ich aber eine konkrete Entscheidung von ihm. Und als wir darüber dann zum hundertsten Mal darüber gesprochen haben, hat er dann ja gesagt, er kommt mit.

Nur 2 Monate später wurde unser Visum genehmigt. Das war im Januar 2015. Und so ging das ganze organisatorische los. Wie wandert man eigentlich aus? Eine Frage, die wir uns vorher noch gar nicht gestellt hatten.

Im April 2015 sind wir dann los – one way ticket to the next adventure.

Am Anfang sind wir viel gereist, sind durch mega viel Stress gegangen, aber haben uns letztendlich ein wunderbares Leben aufbauen können. Ein Leben auf das ich heute noch sehr stolz bin.

Mir ist der Anfang ironischerweise viel schwerer gefallen als ihm. Ich habe insgesamt 3 Jobs in Kanada gehabt und bin zur Zeit in dem besten Job meines Lebens – zum Glück endlich angekommen. Er hatte von Anfang an Glück und ist in einer Agentur eingestellt, in der er happy ist.

Er liebt es sogar so sehr, dass er hier eigentlich am liebsten gar nicht mehr weg will.

Manchmal muss man den Partner zu mehr inspirieren

Wenn der Partner nicht auswandern will - Was tun?

Vor einigen Jahren hat er mir dann was wunderschönes gestanden.

Eine Woche lang hat seine Agentur verschiedene Workshops für die Mitarbeiter angeboten. Eines davon war über Produktivität. In dem Workshop mussten sie dann eine Übung machen, in der jeder seinen größten Motivator nennen sollte. Er hat mich erwähnt – die größte Bestätigung für unsere Beziehung und für mich als Partner.

Ich will meinen Partner motivieren und zu mehr inspirieren. Das macht doch eine Beziehung so wunderbar? Sich zu unterstützen in den Zielen, egal wie verrückt oder groß sie zu sein schein mögen.

Fazit – Was tun, wenn der Partner nicht auswandern will?

Was dir dieser persönliche Einblick sagen soll ist, dass es kein Rezept gibt, den Partner von deinen Zielen voll zu überzeugen. Aber es gibt Ansätze, die du berücksichtigen kannst, die eine ehrliche Entscheidung hervorrufen können und weniger Krisengespräche bringen.

Empathie dem Anderen gegenüber

Ganz wichtig und ausschlaggebend eigentlich für jede Diskussion ist, dass man sich in den Anderen reinversetzen kann und versteht, was seine Beweggründe sind für eine bestimmte Meinung.

Bei meinem Partner wusste ich, dass er viel fester im Leben und im Beruf gestanden hat als ich mit der Idee auszuwandern um die Ecke kam. Die Empathie hat mir geholfen alles mit viel mehr Verständnis und weniger Druck anzugehen.

Unabhängigkeit in der Beziehung

Ganz wichtiger Punkt meiner Meinung nach. Mein Freund und ich sind keines dieser kitsch Pärchen. Wir sind beide unsere eigene Person. Wir verschmelzen nicht zusammen und verlieren uns nicht vermeidlich ganz romantisch ineinander. Wir wissen wer wir sind – ohne die andere Person. 

Diese Unabhängigkeit hat mir geholfen, damit okay zu sein, falls er sich dagegen hätte entschieden. Was wiederum hieß, dass ich weniger Druck aufgebaut habe.

Sicherheit in der Beziehung

Du musst dir und deiner Partnerschaft sicher sein. Sprich daran glauben, dass egal was das Resultat seiner Entscheidung ist, ihr es schaffen könnt. Ich habe ganz aufrichtig daran geglaubt, dass wir eine Fernbeziehung hinkriegen können. Es ist zwar nie so weit gekommen, aber diese Sicherheit innerhalb der Beziehung hilft nochmal der Entscheidung Druck zu entnehmen.

Offenheit dem Anderen gegenüber

Manchmal muss man große Sprünge wagen, um fliegen zu können.

Da muss auch der Andere ein wenig Offenheit mitbringen und daran glauben, dass die Auswanderung ein totaler Erfolg werden könnte. Und selbst wenn nicht, dann ist das Schlimmste was passieren kann, dass man zurückkommt. Mehr nicht. Keiner stirbt, man verliert nichts, sondern gewinnt nur an Lebenslektionen.

Und vor allem ist es wichtig, dass man keinen Druck aufbaut, wie schon erwähnt. Das bringt nichts und führt eventuell zu einer Entscheidung, die eigentlich nicht aufrichtig ist. Stell dir vor er kommt dann mit, aber insgeheim will er das gar nicht.

Alles was danach folgt, wird dann von dem Anderen aus dieser negativen Linse betrachtet und eine erfolgreiche Auswanderung somit erschwert.

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