The Black Hoodie Blog
Auswandern

Goodbye Kanada – ein Abenteuer endet & ein neues beginnt

Wow. 

Schon komisch, wenn ich diese Headline so vor mich her tippe. Ein Abenteuer endet. Ja, das war ein Abenteuer for sure. Wir haben in den letzten Jahren so viele Erlebnisse in Kanada sammeln können.

Die schönsten Momente, aber auch die härtesten. Mein Partner und ich haben uns in den letzten knapp 5 Jahren total weiterentwickeln können und werden von dieser Zeit hier in Kanada immer als vor Kanada und danach sprechen – so einschneidend war es hier. 

Ich sag ganz bewusst einschneidend. Nicht nur, dass er und ich uns gemeinsam als Paar unheimlich weiterentwickelt haben, sondern vor allem auch als Individuen. Unabhängig voneinander. Eine Auswanderung erschafft dir die Möglichkeit dich neu zu definieren, dich neu zu machen. Kleider machen Leute, oder war es Kanada macht Leute? Just another dad joke.

Ich habe hier so viel lernen können, nicht nur im Bezug auf meine Karriere, sondern einfach auch über ein Leben außerhalb Deutschlands. Über die Menschen in Kanada, über die unbeschreiblich schönen Landschaften in Kanada, über was es bedeutet wirklich auszuwandern und wie hart es sein kann und wie unheimlich lohnenswert das alles ist. 

Ich habe vor allem auch viel über mich selbst lernen können. Was mir wichtig im Leben ist, was meine Werte sind. Kanada hat mir so viel beigebracht. Dass Freundlichkeit einen immer weiter bringt, als schlechte Laune, dass Tim Hortons ein wichtiger Bestandteil eines Kanadischen Lebens ist, dass Pünktlichkeit nicht wichtig ist und dass Wanderungen in der Natur die beste Medizin sind und so vieles mehr. 

Ich werde als eine neue Person zurückgehen. Manchmal mache ich Scherze mit meinem Partner, dass Deutschland (und auch Europa) uns jetzt mehr denn je braucht. Deutschland braucht Menschen, die offenherzig sind, die tolerant sind, die Verständnis für andere Kulturen und Menschen haben. Kanada hat davon ja schon genug und Toronto mit seinem multikulturellen Image erst recht. 

Ist unsere Auswanderung fehlgeschlagen?

Davor habe ich ein wenig Angst, dass Menschen vermeidlich annehmen könnten, wir hätten “es nicht geschafft”. Dabei geht es uns nicht darum, ganz im Gegenteil.

Wie erwähnt, haben wir hier in Kanada so viel Gutes und so viel Erfolg erleben können, ob persönlich oder in der Karriere und dementsprechend fällt es uns unheimlich schwer hier alles loszulassen und einen anderen Pfad zu beschreiten – so außerhalb der Komfortzone.

Warum wir uns aber doch dafür entschieden haben ist ganz einfach, wir wollten die Welt entdecken. Auf Weltreise gehen war ein großer Traum von mir seit dem ich das erste Mal backpacken in Südostasien war.

Für mich war es wichtig die Weltreise ohne Kinder zu machen. Einfach nur ich, mein Partner und die Welt. Völlige Freiheit und eine Zeit, in der ich mich voll und ganz auf mich konzentrieren kann, so egoistisch das auch klingen mag. Und deswegen ist die beste Zeit jetzt.

Diese Weltreise ist der Grund warum wir erstmal zurückgehen und von Deutschland aus planen wir dann die eigentliche Route und den Rest der Reise.

Dann ging es auch darum, dass Kanada nur ein Abenteuer auf Zeit werden sollte. Wirklich niederlassen wollten wir uns eigentlich immer in Deutschland.

Für die längste Zeit war ich davon überzeugt, dass Kanada nicht der Ort zum niederlassen ist und dementsprechend habe ich mich gefühlt, als ob mein Leben hier auf Pause steht. Es stagniert und es ging irgendwie nicht weiter.

Wir können keine Familie gründen. Nicht so weit weg von unserer Familie. Wir können kein Haus kaufen (in Toronto kosten Häuser um die $1 Millionen), dafür haben wir das Geld eh nicht und wir können uns erst recht keinen Hund leisten. Alles was Spaß macht und irgendwie Verankerung in Kanada bedeutet können wir nicht machen, weil wir nicht so weit waren. Das alles wollten wir doch in Deutschland machen.

Jetzt wo wir uns augenscheinlich dazu entschieden haben zurück nach Deutschland zu gehen, um uns genau diesen Dingen zu widmen, die wir nicht tun konnten, denke ich genau andersherum.

Ich denke daran, wie gut wir es in Kanada haben. Wie gut das Gesundheitssystem ist (in manchen Dingen viel besser als in Deutschland). Ich denke wie gut es unseren Kinder gehen würde, wenn sie zweisprachig aufwachsen würden, wenn sie in einem Land aufwachsen, das so frei von Vorurteilen ist.

Ich hoffe, dass die Weltreise uns die Distanz zu Kanada und Deutschland schaffen wird, die wir brauchen, um eine objektive Meinung zu bilden und so die richtige Entscheidung für uns zu treffen.

Zur Zeit will ich eher alles offen halten. Ich bin ein offenes Buch und bereite mich so, auf meine Art, auf die nächste Seite vor, egal was sie beinhalten wird, ich werde ready sein.

Was macht die Gefühlswelt?

Die Gefühlswelt geht durch Höhen und Tiefen – und das stündlich. Das Zuhause auflösen ist umheimlich schwer gerade, wenn man es so mühevoll aufgebaut hat.

Die materiellen Dinge loslassen fiel mir diesmal viel schwerer als letztes Mal. Ich glaube ein Grund dafür ist, dass ich irgendwie angefangen habe mich mit meinem Besitz zu identifizieren.

Ich hab im Laufe der Zeit viele Komplimente für unsere Besitztümer (das hört sich an als ob wir ein Palast haben, es ist eher einen Schuhkarton) und für unseren Einrichtungsstil erhalten, dass ich total stolz wurde auf das erschaffene Leben, dass wir uns aufgebaut haben.

You are not your jobyou‘re not how much money you have in the bank. You are not the car you drive. You‘re not the contents of your wallet.

Fight Club, 1999

Stolz an sich ist nicht unbedingt schlecht, aber nach einem langen Blick in den Spiegel habe ich festgestellt, dass ich mich so sehr mit meinen Besitztümern identifiziert habe, dass es sich bei jedem Verkauf eines Möbelstücks und jedem Loslassen so angefühlt hat, als ob ich ein Stück von mir verliere.

Dabei bin ich nicht meine Kommode, mein Tisch oder meine Pflanze. Ich bin wer ich bin und bleibe so, auch ohne die materiellen Dinge, die mir gehörten.

Ich glaube deswegen fällt es auch so vielen Menschen schwer große Entscheidungen zu treffen, die alles verändern können. Alles verkaufen und sich von allem lösen ist hart. Für viele vielleicht zu hart. Alles was du besitzt verankert dich, so sehr dass du nicht mehr weißt wer du sein würdest ohne diese Dinge.

Wer bin ich ohne mein Haus? Wer bin ich ohne mein schickes Auto und ohne meine Klamotten?

Ich sag’s dir, du bist wer du bist. Einfach Du ohne das ganze Tamtam und das ist doch eigentlich das schönste und authentischste Ich, oder nicht?

Was jetzt?

Auch ich hab Zweifel an meinen Wünschen und der Wunsch ein sehr bequemes Leben in Kanada hinter sich zulassen für die große ungewisse Welt hört sich vielleicht total spannend an, aber auch ganz schön beängstigend.

Die Couch ist doch so bequem. So sicher. Meine kleine Insel.

Ich muss schmunzeln beim Tippen dieser Worte.

Jetzt denke ich nur noch daran wie ich am meisten Geld für diese besagte Insel kriegen kann.

Zur Zeit rennen wir umher wie Hühner ohne Köpfe. Ich bin heutzutage mehr Vertriebsperson als alles andere, alles muss raus ist mein Motto. Wir haben uns entschieden alles, aber auch wirklich alles zu verkaufen. Das macht das reisen leichter. Wortwörtlich unbeschwerter.

Dann müssen wir nochmal zur Impfung und natürlich zum Zahnarzt, noch einmal alles durchchecken lassen. Die Tickets nach Deutschland sind auch schon gebucht, wir überraschen die Familie über Weihnachten. Sie weiß nämlich nicht, dass wir die Weltreise von Deutschland aus starten werden.

Bei der Arbeit haben wir auch schon bescheid gesagt und unsere Kündigung eingereicht.

Jetzt heißt es einfach Augen zu und durch. Und wenn das ganze ein Fehler war – puh, das werde ich ja dann merken und mir dann einen Plan schmieden.

Was wird aus meinem Black Hoodie Blog?

Die meisten Themen auf meinem Blog drehen sich um Kanada und das auswandern in dieses wunderschöne Land. Das wird sich alles in Zukunft ein wenig ändern. Die nächste Zeit möchte ich vor allem über unsere Weltreise schreiben und über die Selbstfindung und was das Leben sonst so für uns bereit hält.

Ich hoffe, du bist nach wie vor dabei, denn langweilig wird es hier erstmal nicht.

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2 Comments

  • Reply
    Cennet
    November 17, 2019 at 12:25 pm

    Hallo Irene,
    Ich finde deinen “Black Hoodie Blog” spannend und freue mich über weitere Berichte von dir und deinen Erfahrungen.

    Viele Grüße
    Cennet

    • Reply
      Irene
      November 18, 2019 at 2:49 am

      Ach wie schön! Freut mich, dass dir meine Berichte gefallen! Bis bald!

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